Weniger Vitamin-D-Mangel nach sonnenreichen Sommern

Zwei Hände bilden eine Schale, darüber befindet sich eine Sonne, die auf die Hände scheint. Im Hintergrund sind grüne Bäume zu erkennen.

Die Haut kann nur mit UV-B Strahlung aus dem Sonnenlicht das wichtige Vitamin-D bilden.

Der Herbst steht vor der Tür. Damit machen sich auch die kürzeren Tage mit weniger Sonnenstunden bemerkbar und viele Menschen denken an ihren Vitamin-D-Haushalt. Die Universitätsmedizin Halle hat die Vitamin-D-Werte, die in den letzten sechs Jahre bei insgesamt 13.406 Patienten gemessen wurden, nochmals analysiert. Das Fazit: Extremsommer verbesserten die Vitamin-D-Spiegel in Mitteldeutschland. 

Eine ausreichende Versorgung mit Vitamin-D ist wichtig für einen gesunden Körper. Wer seine Werte genau kennen will, muss die Konzentration des Vitamin-D-Vorläufermoleküls in seinem Blut bestimmen lassen. Ab einem Wert unter 50 nmol/Liter gilt die Versorgung als suboptimal, unter 30 nmol/Liter als mangelhaft. Zu niedrige Werte können sich unter anderem negativ auf die Knochengesundheit auswirken. Der Vitamin-D-Bedarf wird größtenteils über die körpereigene Produktion in der Haut gedeckt. Dafür braucht es UV-B Strahlung aus dem Sonnenlicht, die in unseren Breitengraden nur von März bis Oktober ausreichend zur Verfügung steht. Zum Herbstbeginn greifen deshalb viele zu Nahrungsergänzungsmitteln aus Sorge, dass die Eigenproduktion nicht mehr ausreicht. 

Das Zentrallabor der Universitätsmedizin Halle hat die Vitamin-D-Messwerte von 13.406 Blutmessungen aus sechs Jahren zusammengetragen und mit den tatsächlichen Sonnenstunden vom Deutschen Wetterdienst abgeglichen. „Wir bearbeiten täglich bis zu 1.600 Patientenproben“, sagt Dr. Beatrice Ludwig-Kraus, Leiterin des Zentrallabors der Universitätsmedizin Halle. „Das Schöne an dieser Studie war, dass dafür niemandem extra Blut abgenommen werden musste, die Daten waren ja schon da.“ Zur Arbeit im Zentrallabor gehört auch die regelmäßige Kontrolle, ob die Geräte richtig kalibriert sind: „Eines Tages fiel mir auf, dass der Mittelwert des Vitamin-D-Vorläufers 2018 im Vergleich zu den Vorjahren gestiegen ist. Als sich der Effekt auch 2019 gezeigt hatte, wurden wir neugierig.“, erklärt Dr. Bernhard Kraus, Klinischer Chemiker im Zentrallabor und Erstautor der Studie. Das Ergebnis: In den Dürrejahren 2018 und 2019 war der Blutwert im Median um 10 nmol/Liter höher als in den vier Vorjahren ohne Extremsommer. Dadurch verringerte sich der Anteil von Patientinnen und Patienten mit suboptimaler Vitamin-D-Versorgung im Mittel um 10%. 

Unabhängig von der Intensität des Sommers sinkt der Vitamin-D-Spiegel in den Herbstmonaten dennoch deutlich und erreicht im Januar bis März sein Minimum. Zur Vorbeugung gegen Vitamin-D-Mangel empfiehlt das Robert-Koch Institut von März bis Oktober dreimal pro Woche gegen Mittag mit freiem Gesicht, Armen und Beinen für circa eine Viertelstunde in die Sonne zu gehen. Auch Nahrungsergänzungsmittel können in den Wintermonaten helfen, sollten aber mit Bedacht und professioneller Beratung dosiert werden. Denn eine Vitamin-D-Überdosierung mittels Präparaten kann unerwünschte gesundheitliche Nebenwirkungen hervorrufen. Eine ungesunde Überversorgung über die Hautproduktion oder durch Lebensmittel sei glücklicherweise nicht möglich.

Originalpublikation:
Kraus FB, Medenwald D, Ludwig-Kraus B. Do extreme summers increase blood vitamin D (25-hydroxyvitamin D) levels? PLoS One. 2020 Nov 10 doi: 10.1371/journal.pone.0242230.