Die Größe unserer Arbeitsgruppe erfordert eine Fokussierung auf ein Hauptthema, das wir derzeit in der Tumorgenese von Sebozyten (Talgdrüsenzellen) verfolgen. Talgdrüsenkarzinome (TDK) sind als extracolonische, kutane Manifestation des HNPCC (hereditären nicht-polypösen Coloncarcinom)-Syndroms in Erscheinung getreten und werden als Muir-Torre (MTS)-Syndrom bezeichnet. Eine mitotische Mikrosatelliteninstabilität (MSI) galt als typisches Merkmal dieser Tumorentität in Folge eines defekten Mismatch Repair (MMR)-Systems. Ko-Mäuse für das FHIT (Fragile Histidin-Trias)-Gen entwickelten jedoch unerwartet ebenfalls TDKs, was uns veranlasste, FHIT-Verluste in TDKs des Menschen nachzuweisen und diese als Mikrosatelliten-stabil (MSS) zu charakterisieren. Typischerweise war bei diesen v.a. periokulär vorkommenden TDKs die Homologie-dirigierte Rekombinationsreparatur (HRR) durch Funktionsverluste des BRCA1/2 (breast cancer 1/2)-Gens inaktiviert, was eine erhöhte Anzahl von DNA-Doppelstrangbrüchen (DSB) zur Folge hatte. In-vitro Kulturen von Sebocyten zeigten mit zunehmender Kultivierungsdauer und Passagezahl einen signifikanten Expressionsverlust des FHIT-Gens als Konsequenz einer epigenetischen Inaktivierung der genspezifischen Promoter-Region durch Hypermethylierung. Begleitet wurde der daraus resultierende Verlust von FHIT durch eine erhöhte Anzahl von DNA-DSB Ereignissen.  
Da TDK synchron, aber auch metachron mit Kolonkarzinomen auftreten können, kann die Festlegung des Mikrosatellitenstatus ein präsymptomatisches Screening entsprechender Risikoorgane für weitere Tumoren eingrenzen. Darüber hinaus ist eine synthetische Lethalität BRCA-defizienter TDKs unter Einsatz therapeutischer poly(ADP-Ribose)-Polymerase Inhibitoren zu prüfen.
Unsere Untersuchungen bedienen sich einschlägiger histochemischer und molekulargenetischer Methoden.

Unsere Projekte

  • Untersuchungen zur Tumorgenese von Sebocyten
  • Bedeutung von dominant-negativem T-cell factor-1 (dnTCF-1) als Modulator von Tumorstammzelleigenschaften kolorektaler Karzinome
  • Desmoide als mögliche transformierte Mesenchymale Stromazellen