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17.03.2010

Neurophysiologen treffen sich zur Jahrestagung in Halle


Als der bekannte Künstler und Kunstprofessor Jörg Immendorff im Jahr 2007 an einer seltenen, dafür aber umso fataleren Krankheit des Nervensystems starb, hörten die meisten Menschen den Begriff Amyotrophe Lateralsklerose, kurz ALS, wohl zum ersten Mal. Inzwischen ist die Krankheit, deren Ursache erst für bestimmte Formen geklärt ist, einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Noch immer laufen die Forschungen nach einer wirksamen Heilmethode auf Hochtouren. Bei ALS wie auch bei ähnlichen, aber noch unbekannteren Krankheiten wie der Spinalen Muskelatropie (SMA) oder der Myasthenia gravis (wörtlich: schwere Muskelschwäche), ist die Versorgung des Muskels mit Nervenimpulsen der Kern des Problems. Bei der SMA verliert der Muskel seine Nervenversorgung, bei der Myasthenie ist die Kopplung zwischen Nerv und Muskel gestört. Dies hat katastrophale Auswirkungen. Während der Geist wach bleibt, lässt die Muskelkraft kontinuierlich nach. Im Endstadium einiger Krankheiten kommt es, insbesondere bei ALS, zur kompletten Muskellähmung bei vollem Bewusstsein. Jegliche Bewegung wie auch die Kommunikation mit der Außenwelt wird vollkommen unmöglich. Der eigene Körper wird zum Gefängnis. Mit den neuesten wissenschaftlichen Entwicklungen auf dem Gebiet der Erkrankungen, die zu Muskellähmung und Muskelschwund führen, beschäftigt sich vom 18. bis 20. März 2010 die Jahrestagung der DGKN an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Hier werden aktuelle Forschungsergebnisse zu Genetik und zellbiologischen Mechanismen der ALS vorgestellt. Diese Ergebnisse weisen den Weg für künftige Therapien, die aber wegen der Komplexität der zellulären Vorgänge noch weitere intensive Forschungen erfordern. Außerdem sind die Erkrankungen des Skelettmuskels, die meist zu einer Abnahme der Muskelkraft, aber auch zu Muskelschmerzen oder abnormer Erregbarkeit führen, Schwerpunkt der Tagung. Durch die Aufklärung der molekularen Ursachen gelang es in den letzten Jahren, fundamentale Erkenntnisse über die Grundfunktion der Zellen allgemein zu gewinnen. Auf dem Kongress werden u.a. die erst 2009 identifizierte Matrin-Myopathie und Forschungsergebnisse insbesondere zu den gut behandelbaren Muskelerkrankungen vorgestellt. Desweiteren wird beim Kongress das Thema tiefe Hirnstimulation zur Debatte stehen. Dieses innovative, aber nicht unumstrittene Therapieverfahren wird schon heute z.B. bei Morbus Parkinson angewendet. Grundlage ist das Implantieren von Elektroden ins Gehirn. Auf dem Kongress wird der Einsatz bei Suchterkrankungen vorgestellt. Auch die neuen Möglichkeiten der bildgebenden Verfahren wie Kernspintomographie oder Ultraschall kommen im Programm nicht zu kurz. Mit diesen Verfahren gelingt es, neue Karten von der Organisation und Vernetzung des Gehirnes zu erstellen. Wichtig sind diese Erkenntnisse zum Beispiel für die Rehabilitationsmöglichkeiten nach einem Schlaganfall, auch hierzu werden neueste Entwicklungen präsentiert. Außerdem gehen Experten hier der Frage nach, welche Auswirkungen die Nikotin- oder Alkoholsucht auf das Gehirn hat. Weitere Informationen zum Kongress, das Akkreditierungsformular und das komplette Programm finden Sie auf unserer Kongresshomepage www.conventus.de/dgkn2010