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13.07.2012

Erinnerung an 100. Geburtstag von Prof. Schober

Pro. Schober

Was wäre die Medizin ohne Visionäre? Was wäre der medizinische Fortschritt ohne den Mut und die Ausdauer von Ärzten, die ihre Träume im Dienste ihrer Patienten unermüdlich verfolgen? Professor Karl-Ludwig Schober (1912–1999), bekanntester Herzchirurg der DDR, war solch ein Arzt aus Leidenschaft. Bis zur Verwirklichung seines Traums in Gestalt der ersten halleschen Herz-Lungen-Maschine war es ein langer Weg durch zwei Diktaturen und über viele Hindernisse hinweg. Am 13. Juli 1912 wurde er geboren.


100Sein Medizinstudium absolvierte Karl-Ludwig Schober in Graz (Steiermark), Freiburg im Breisgau, Halle (Saale) und Innsbruck. Nach dem medizinischen Staatsexamen 1935 arbeitete er 1935/36 als Medizinalpraktikant an der Universitätsfrauenklinik Halle (Saale) und 1936/37 an der Medizinischen Universitätspoliklinik Halle als Volontärarzt. Seine Approbation als Arzt erhielt er 1936 und promovierte 1937. Die NS-Rassengesetze erlaubten ihm wegen seines jüdischen Urgroßvaters keine akademische Karriere. In einer Privatklinik, der „Heilanstalt Weidenplan“ zu Halle, bekam er von 1937 bis 1942 eine Anstellung als Assistenzarzt. Obwohl er als Arzt nicht verpflichtet war, in der Wehrmacht zu dienen, meldete Karl-Ludwig Schober sich Ende 1942 freiwillig zum Wehrdienst und versorgte als Sanitätsoffizier die Verwundeten in Gumrak und Stalingrad. 1943 wurde er im Stalingrad-Kessel in russische Kriegsgefangenschaft genommen, aus der er erst 1948 in seine Heimatstadt Halle(Saale) zurückkehrte. 

 

Nach Intermezzi am halleschen Krankenhaus Weidenplan und am Krankenhaus Weißenfels erhielt er noch im gleichen Jahr eine Anstellung als Assistenzarzt an der Chirurgischen Universitätsklinik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (1951 Anerkennung als Facharzt für Chirurgie), wirkte in den kommenden Jahren auf den Gebieten der Viszeral-, Kinder-, Thorax- und Herzchirurgie und habilitierte sich 1954.

 

Die schon unter Professor Budde begonnene Spezialisierung der Chirurgie in Halle (Saale) wurde durch Professor Mörl und mit wesentlicher Unterstützung durch Karl-Ludwig Schober weiter vorangetrieben. Aus der bisherigen Chirurgie für „Alles“ etablierten sich zum Beispiel die Abteilungen für Traumatologie, Thoraxchirurgie, Gefäßchirurgie, Kinderchirurgie und Anästhesiologie. 

 

1959 wurde Karl-Ludwig Schober zum außerordentlichen Professor mit Lehrauftrag und 1960 zum Professor mit vollem Lehrauftrag für das Fachgebiet der Chirurgie ernannt, erhielt 1965 seine Facharztanerkennung für das Gebiet der Kinderchirurgie, wurde 1965 zum Professor mit Lehrstuhl für das Fachgebiet Chirurgie ernannt und 1966 zum Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik in Halle (Saale) bestellt. Ab seinem Amtsantritt beschäftigte er sich intensiv mit der Weiterentwicklung der Herz- und Gefäßchirurgie und betreute selbst die Abteilungen für Thorax- und Kinderchirurgie. Im Jahre 1969 wählte ihn die Deutsche Akademie der Naturforscher „Leopoldina“ zum Mitglied. 

 

Eine von Schobers herausragendsten Leistungen für die Medizin war zweifellos die Entwicklung der halleschen Herz-Lungen-Maschine (HLM) und damit die Möglichkeit, auch in Halle am offenen Herzen kleine und große Patienten behandeln zu können. Die DDR-Realität in den 50er- und 60er-Jahren: Planzwänge, Mangelwirtschaft, Restriktionen. Für das hallesche Universitätsklinikum war in den staatlichen Planungen der Kauf einer HLM, wie sie bereits seit 1953 durch Gibbon (USA) erfolgreich eingesetzt wurde, nicht vorgesehen. Aufgeben, sich unterordnen wäre leicht gewesen. Karl-Ludwig Schober wählte den schwierigeren Weg und baute die dringend benötigte Maschine mit Unterstützung seines Teams (Ärzte, Physiker, Chemiker, Schwestern, Pfleger und MTA’s), des Privatinstituts von Manfred von Ardenne in Dresden und von Kollegen aus München selbst – eine Initialzündung die Entwicklung der Herzchirurgie in der DDR!

 

Am 3. April 1962 gelang es Schober und seinen Kollegen, mit Hilfe weiterer erfahrener Ärzte, ihren Traum von einer Herzoperation am offenen Herzen mit der selbst entwickelten HLM in der damaligen Chirurgischen Universitätsklinik der Martin-Luther-Universität in der Leninallee (heute Magdeburger Straße) zu realisieren: Bei einem Jungen wurde erfolgreich ein Scheidewanddefekt zwischen beiden Vorhöfen verschlossen. Spätestens mit diesem Tag wurde die Chirurgische Universitätsklinik zu einer national und international anerkannten Einrichtung, was sich auch in den von Karl-Ludwig Schober initiierten halleschen herzchirurgischen Symposien widerspiegelte.

 

Anlässlich seines 60. Geburtstages übergab Schober die Leitung der herz-thorax-chirurgischen Abteilung seinem Schüler, dem Oberarzt und späteren Professor, Rainer Panzner. Prof. Dr. Karl-Ludwig Schober starb im Jahr 1999. 

Text: Prof. Silber / Dr. Herrmann