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14.02.2019

Internationaler Kinderkrebstag: Kinderonkologe Prof. Jan Klusmann berichtet über Fortschritte in der Krebstherapie


Heute ist Internationaler Kinderkrebstag: Jan-Henning Klusmann (39) ist seit einem Jahr neuer Professor für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie und Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Pädiatrie I der halleschen Universitätsmedizin. Die wissenschaftlichen Schwerpunkte von Prof. Klusmann liegen vor allem in der Forschung zu den unterschiedlichsten Formen der Leukämie, insbesondere bei Säuglingen und bei Kindern mit Down-Syndrom (Trisomie 21). Seine klinischen Schwerpunkte sind die Diagnostik und Behandlung von akuten lymphatischen und myeloischen Leukämien, inklusive Knochenmarktransplantation. In einem Interview spricht er über die Behandlung und die Forschung von Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen.

Sie sind nicht nur Kinderarzt, sondern vor allem Kinderonkologe. Wie kam es zu dieser Fächerwahl?
Ich habe während meines Studiums wissenschaftliche Texte über Leukämien bei Kindern in eine für den Laien verständlichere Sprache übersetzt und damit erste Berührungen mit diesen Erkrankungen gehabt. Das Thema hat mich bis heute nicht losgelassen. Damals wie heute möchte ich verstehen, wie der menschliche Körper funktioniert und Krankheiten entstehen. In der Kinderonkologie gab und gibt es große Potenziale, die Therapien zu verbessern und mehr Kindern zu helfen. 

Das Thema Krebs ist mit großen Ängsten belegt. Dennoch kann man viele Fortschritte bei der Therapie krebskranker Kinder verzeichnen. Was hat dazu beigetragen und wie sehen die aktuellen Entwicklungen aus?
Wir können heute etwa 80 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit einer Krebserkrankung heilen. Dazu haben in den vergangenen 40 Jahren die klinische Arbeit und die Therapiestudien sowie die Vernetzung der Kinderonkologien beigetragen. Zusammen mit der Grundlagenforschung und den Erkenntnissen, wie Krankheiten entstehen und sich normale Zellen in Krebszellen verwandeln, konnten die großen Therapieerfolge erzielt werden. Heutzutage werden 95 Prozent aller Betroffenen in klinischen Studien behandelt. In der Kinderonkologie hat die Verzahnung aus Forschung und klinischer Behandlung immer sehr gut funktioniert.

Sie forschen selbst, beispielsweise über die verschiedenen Formen von Leukämie. Welche Projekte verfolgen Sie gerade in Ihrem Forschungslabor?
Ich erforsche vor allem die Entstehung der akuten Leukämien, also des sogenannten Blutkrebses bei Kindern und Jugendlichen. Durch die moderne Molekulargenetik können wir Mutationen in den Zellen finden, die Zellen dazu gebracht haben, sich in eine bösartige Krebszelle zu verwandeln. Wir bekommen so Einblicke in die Entstehung von Krankheiten und können aus diesen Erkenntnissen neue Therapien entwickeln. In meiner Klinik wollen wir Forschung, wissenschaftliche Ergebnisse und die klinische Arbeit miteinander verbinden, damit die kleinen Patienten frühzeitig von unseren Erkenntnissen profitieren können. Wir können die Tumorzellen vollumfänglich molekulargenetisch untersuchen und haben dafür die entsprechende Expertise.

Welche medizinischen Erfolge sehen Sie kurz- oder mittelfristig bei der Kinderonkologie?
Wir erwarten besonders auf zwei Gebieten große Fortschritte. Zum einen gezielte Medikamente, welche die Krebszellen direkt angreifen und zum Absterben bringen. Dabei werden gleichzeitig die gesunden Zellen geschont. Zum anderen ist das Thema Immuntherapie in aller Munde. Durch das Einbringen von Antikörpern kann der Körper Krebszellen erkennen und diese bekämpfen. Auch bei Leukämien gibt es hier erste erfolgversprechende Therapieansätze.

Ist es wichtig, auch mit den Kindern und Jugendlichen über ihre Krankheit zu sprechen?
Auf jeden Fall beziehen wir die Kinder und Jugendlichen ein und sprechen mit ihnen über ihre Erkrankung und wie wir sie behandeln werden. Auch wenn Kinder noch sehr klein sind, verstehen sie sehr schnell, dass etwas nicht mit ihnen stimmt und sie längere Zeit im Krankenhaus sein müssen. Natürlich schauen wir, wie wir altersgerecht mit dem Kind sprechen und was wir ihm erklären können, das hängt sehr vom Alter und dem Reifegrad ab. 

Wir behandeln hier auf einer speziellen Station übrigens auch Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 15 und 35 gemeinsam mit den „Erwachsenenmedizinern“. Nur wenige Krankenhäuser in Deutschland verfügen über solch eine Einrichtung, einer  Child-Adolescent-Young-Adult-Unit (CAYA). Doch gerade in dieser Altersgruppe gibt es besondere Herausforderungen, stehen die Patienten doch noch vor ihrem Leben und beschäftigen sich beispielsweise mit der Berufsausbildung und der Familienplanung.

Wie beziehen Sie die Familien in die Therapie ein?
Wir behandeln nicht nur das Kind, sondern müssen auch die Familie im Auge behalten. Denn für die gesamte Familie ist eine Krebserkrankung bei einem Kind eine besonders extreme Belastungssituation. Wir besprechen alles mit den Eltern und beziehen die Angehörigen mit ein. Und dabei ist es egal, ob es sich um Alltagsprobleme auf der Station handelt oder schwierige Entscheidungen getroffen werden müssen. Es gibt nicht immer ein Richtig und ein Falsch, sondern wir schauen gemeinsam, welche Lösung die beste für das Kind, den Jugendlichen ist und passen die Therapien individuell an.

Weitere Informationen zur Klinik und Forschung von Prof. Klusmann unter www.uk-halle.de/paed1 und zu unserem breitgefächerten Versorgungsangebot für Kinder und Jugendliche hier.